Arbeiten

documenta archiv

Das Grundstück für das geplante documenta-Archiv kombiniert aus Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Forschungsfläche befindet sich an einem indifferenten Ort mitten in der Kasseler Innenstadt. Auf einem ehemaligen Parkplatz, direkt angrenzend an das Fridericianum, soll ein repräsentativer Bau für die bedeutendste zeitgenössische Kunstausstellung weltweit entstehen. Dieser Schauplatz ist umgeben von anonymer Nachkriegsarchitektur und zerstückelten Rudimenten aus der geplanten Blockrandbebauung.
Eine Wiederherstellung des vergangenen städtebaulichen Konzeptes wurde nicht versucht. Vielmehr schlagen wir einen dominanten und flächigen Baukörper vor, der allseitig mit der Stadt in Verbindung steht. Das Gebäude rückt bewusst aus den städtischen Kanten, um die Autarkie zu unterstreichen. Durch die Verschiebung des Baukörpers wird der Karlsplatz klar definiert und die Achse zum Fridericianums erhält einen Vorplatz, der während der documenta bespielt werden kann. Die neutrale und nahezu anonyme Erscheinung mit der klaren Rasterung ist eine Antwort auf die umliegende Nachkriegsbebauung.
Wir platzieren das Archiv in die äußere Tragstruktur, welche als Regal ausformuliert ist, um das Herzstück mit seiner trivialen Funktion des Sammelns und des Archivierens nach außen sichtbar zu machen. Jedem Bürger Kassels gewährt das Gebäude Einblicke in das Archiv und somit nimmt Kassel partizipatorisch an der Transformation und Erweiterung des Archivs teil. Alle Funktionen, die ein Regal benötigen, finden sich in diesem Ring. Das documenta-Archiv, die Lagerung der Bücher für die Bibliothek, sowie das Schauarchiv mit dem Nachlass Arnold Bodes und Harry Kramers. Das Regal ist sowohl im Stadtraum, als auch im inneren, öffentlichen Körper allgegenwärtig.
Die öffentlichen Funktionen und die Forschung erstrecken sich kreuzförmig im Innenraum mit jeweils zwei Verbindungspunkten zum Archiv-Ring. Die kreuzförmige Anordnung generiert vier verschiedene Innenhöfe. Zwei fungieren als Erschließung des inneren Körpers. Die anderen sind niveauversetzt und belichten das Untergeschoss. Sie werden auch als Bestandteil der Ausstellung genutzt.
Die diagonalen Durchbrüche des Regals, um in den Innenraum zu gelangen, resultieren aus dem Bewegungsstrom der Besucher der documenta und der Zugänglichkeit des Baufeldes für die Bewohner Kassels. Damit wurden die wichtigsten Erschließungsachsen aufgenommen. Der Besucher dringt in der Schnittstelle der übereinander gestapelten Körper in das Foyer im Erdgeschoss.
Der Baukörper erstreckt sich vom Untergeschoss bis in das zweite Obergeschoss. Dabei werden die gestapelten Riegel mit der Höhe privater. Die öffentlichen Funktionen wie Foyer, Ausstellung, Schauarchiv, Veranstaltung, Künstlerateliers und Bibliothek sind mit einer dominanten Wendeltreppe vertikal verbunden. Dieses runde Element schafft eine Störung in das klar orthogonal gerasterte Gebäude und betont den zentralen Raum der Kreuzung.
Das Foyer im Erdgeschoss beinhaltet eine Rezeption, Informationstresen und eine Bar. Die Schauarchive befinden sich jeweils am Ende des länglichen Körpers und sind Bestandteile des Archiv-Rings. Man taucht durch das Regal in die Sammlung Arnold Bodes und Harry Kramers. Die Schauarchive erstrecken sich teilweise über zwei Geschosse und werden durch das Regal im Erdgeschoss natürlich belichtet. Ebenso dienen die Innenhöfe im Untergeschoss als Lichtquelle für diesen Ausstellungsbereich. Die Nachlässe befinden sich in der Regalstruktur, wobei Elemente aufgebrochen wurden, um Vitrinen für die Ausstellungsgegenstände zu platzieren. Beim Schreiten über das Foyer in die Archive gewährt eine Galerie Einblicke in das Untergeschoss und den dazu gehörigen Innenhöfen.
Im Untergeschoss erstreckt sich die weiträumige Fläche für die Ausstellung, in der die Künstlerateliers integriert sind, um somit einen stetigen Austausch der Künstlers und der Besucher herzustellen. Der Raum bietet genügend Platz um die Fläche individuell zu bespielen, sei es für Veranstaltungen oder wechselnde Ausstellungen. Die Innenhöfe im Untergeschoss bieten eine Schnittstelle zu Ausstellung und künstlerischem Schaffen. Diese Außenbereiche sind die Ausstellungskonzeption integriert und können von den Künstlern bespielt werden. Der Querkörper im ersten Obergeschoss dient als Lesesaal für die Bibliothek. Dieser ist unterschiedlich zoniert mit privateren Arbeitsplätzen und den belebteren Bereichen mit Gruppenarbeitsplätzen. Das Regal in diesem Geschoss wird funktional in öffentliche Bibliothek und privates Archiv geteilt. Trotz der Trennung werden Einblicke in das Archiv gewährt. Die Terrasse offeriert eine Entspannungszone mit hoher Aufenthaltsqualität und regt zum Austausch aus.
In der obersten Etage ist die Forschung angesiedelt. Dort halten sich die Archivare auf mit direktem Zugang zu den gelagerten Dokumenten. Die diagonale Zweigeschossigkeit, die sich über Untergeschoss und Erdgeschoss durchzieht, wird in den oberen Etagen wieder aufgegriffen, sodass öffentliches Arbeiten in der Bibliothek und privates Forschen eine Einheit bilden und im Blickkontakt zueinander stehen. Das Archiv im Regal-Ring ist vertikal mit einem kleinen Aktenaufzug und Treppen erschlossen, um eine hohe Arbeitseffizienz zu gewährleisten.
Das Regal besteht aus Beton und ist mit einer Pfosten-Riegel-Fassade aus Polycarbonatplatten verkleidet, um eine transluzenz sowohl nach außen zur Stadt hin, als auch zum inneren Körper, zu schaffen. Aufgrund der klaren Rasterung in der Fassade schwindet die Ablesbarkeit der Geschossigkeit im Regal, um jegliche Maßstäblichkeit zu vermeiden. Für den Besucher erschließt sich das Gebäude nur durch das Eintauchen in den inneren Körper, da die Geschosse als Teil eines Regalbodens eingefasst wurden.
Die gestapelten Riegel des inneren Körpers sind komplett mit einer Pfosten-Riegel-Fassade verglast, wobei die Bodenplatten jedes horizontalen Körpers durch transluzente Verglasung betont werden um eine horizontale Gliederung der Körper zu erhalten. Durch die komplette Verglasung stehen die Räumlichkeiten auch im Inneren in konstantem Kontakt zu dem documenta-Archiv.

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