Finisterre | in der Ferne so nah

Der französische Philosoph Michel Foucault spricht in seinen Essay ‚Andere Räume’
von Orten, die - obwohl fest in ihr verankert - aus unserer gesellschaftlichen
Ordnung herausfallen und nach umgekehrten Gesetzmäßigkeiten funktionieren.
Hierzu zählen nach seiner Auffassung beispielsweise auch Ferienorte, sofern sie
uns aus unserem alltäglichen Erfahrungsraum hin in eine andere, inszenierte Welt
entführen.
 
An der Beliebtheit von Webseiten wie ‚Airbnb’, ‚Living Architecture‘ oder ‚Urlaubsarchitektur’,
über die - meist privater - Wohnraum für kurze Zeit Touristen zur Verfügung
gestellt wird, läßt sich ein wachsendes Bedürfnis nach der kurzfristigen Flucht
aus einem informationsüberfluteten Alltag in andere (Lebens-)Welten erkennen.
Das Internet macht dabei die entlegensten Orte für die Allgemeinheit auffindbar.
Vor diesem Hintergrund wollen wir zunächst ein gemeinsames Konzept für ein
Netzwerk global verteilter, besonderer Rückzugsorte entwickeln.
In einen zweiten Schritt sollen für diese „fernen Orte“ dann einzelne, aussergewöhnliche
Projekte entworfen werden. Das freistehende Haus ist dabei der ideale
Typus, um prototypisch ungewöhnliche, radikale Konzepte der Raumbildung zu
erproben.
 
Zu Beginn des Semesters werden wir uns selbst für einige Tage in ein besonderes
Refugium begeben, um gemeinsam zu wohnen, zu arbeiten und zu reflektieren: in
die südliche Schweiz zur Villa Garbald von Gottfried Semper und der zugehörigen
Erweiterung, dem Roccolo von Miller + Maranta.
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