Seit der Moderne versteht sich die Architektur als Spiegel der Gesellschaft. Sie diagnostiziert die Phänomene ihrer Zeit und bildet sie in baulicher Form ab. So wie die Gesellschaft Veränderungen unterworfen ist, ist auch die Lehre des Entwerfens in ständiger Bewegung. Architektonische Qualität, als Ziel des Entwurfsprozessses, ist kein durch ein vorgegebenes Handlungsgerüst objektivierbarer Begriff.  Sie muss in einem reflexiven Verfahren immer wieder aufs Neue justiert werden.

Große Konstanz und für das Entwerfen grundsätzlichen Charakter haben die Themen Funktion, Material, Form, Kontext und Bedeutung. Sie werden im Entwurfsprozess organisiert und zueinander in Beziehung gesetzt.

Beim Entwerfen sind aber auch kreative Prozesse wirksam, die sich einer Systematisierung entziehen. Intuition, in Form von schöpferischen Kräften und Begabungen, und Ratio, in Form eines methodisch, systematischen Vorgehens müssen in eine Balance gebracht werden. Als Basis für den Entwurf ist es also unerlässlich die räumliche Wahrnehmung zu trainieren mit ihren auf das Erleben ausgerichteten sinnlichen Fähigkeiten (physiologisch) und mit ihren auf die Bedeutung ausgerichteten Erkenntnisfähigkeiten (psychologisch).

Gleichzeitig müssen gesellschaftliche, soziale und kulturelle Phänomene erfasst werden um sich eine grundlegende Kompetenz für ein architektonisches Handeln zu erwerben, das sich mit den einfachen Worten: „verstehen, entwickeln, verständlich machen“ zusammenfassen lässt.

In der Erkenntnis, dass Entwerfen nicht mittels einer objektivierbare Methodik gelehrt werden kann, versucht das Institut in einer Phase der zunehmenden Pluralität von coexistierenden, architektonischen Sprachen, in Form einer offenen, dialektischen Lehre, eine Orientierung für die Verbindlichkeit und Plausibilität einer angewandten Methodik im jeweiligen historischen, sozialen, kulturellen und räumlichen Kontext zu geben.