DENK MODELL RAUM – DIE TREPPE

In der Geschichte des Bauwesens haben Treppen einen grundlegenden Anteil daran, räumliche und formale Beziehungen herzustellen. Doch lange bevor sich die Treppe zu einem eigenständigen Bauelement entwickelte, verkörperte sie eine tiefgreifende, symbolische Dimension. Jede Treppe ermöglicht zwei grundsätzlich verschiedene, entgegengesetzte Bewegungen, nicht nur in physikalischer Hinsicht. Die Begriffe des Auf- und Absteigens sind auch mythologische und psychologische Bedeutungsträger. In der Welt der Realität mit dem Gesetz der Schwerkraft muss man den Höhenunterschied zwischen zwei Ebenen überwinden. Während wir den überwiegenden Teil unserer räumlichen Erfahrungen auf ebenen Flächen machen, versieht die Treppe die Bewegung mit der vertikalen Komponente. Auf der Treppe erfährt die Bewegung im Raum ihre höchste Komplexität. 

Treppen haben etwas Widersprüchliches in sich. Einerseits verkörpern sie das Spielerische, die Expression, andererseits sind sie den rigidesten Regeln unterworfen, weil sie sich dem menschlichen Körper, seinen Fähigkeiten und seiner Beweglichkeit eng anpassen müssen. Mehr als andere architektonische Elemente zeichnet die Treppe die auf ihr stattfindende Bewegung vor und lenkt sie. Sie nimmt uns am Antritt in Empfang, gliedert die Etappen des Aufstiegs durch Podeste, lenkt uns durch einen geschwungenen Lauf, kehrt unsere Laufrichtung durch Richtungswechsel um und bestimmt durch die Ausformung die Art ihrer Nutzung. Mit der Treppe lässt sich der einfache Akt des Steigens durch die Wahl von Schrittmaß und Steigungsverhältnis, den Rhythmus der Podestgliederung und der Richtungswechsel, durch Verengung und Weitung, die Ausblicke und Lichtführung, durch den Klang und die Anmutung bei der Berührung der Oberflächen zu einer intensiver Erfahrung machen. Ungeachtet der Vorhersagen ihres Untergangs durch den Siegeszug der Aufzüge und Rolltreppen bleiben Treppen ein grundlegendes Element in der Ikonografie eines Gebäudes, tief verwurzelt im menschlichen Bewusstsein und im architektonischen Denken.

TERMINE

donnerstags, 9:30-13:00 Uhr 

1.Termin
Donnerstag, 13.04.2017, 9:30 Uhr

Ort
3.02

PRÜFUNGSDATEN
BACHELOR PO 2009
22930 Raumkonzeptionen 2
 
BACHELOR PO 2013
22930 Raumkonzeptionen 2
 
MASTER ARCHITEKTUR UND STADTPLANUNG PO 2013
48090  Architektur und Kommunikation
 
Art/Umfang der Prüfung
studienbegleitend
 
Lehrpersonen
Attila Acs