Der reisende Idiot

Burak Kalkan

Nachwort

In meiner Abschlussarbeit habe ich mich mit einer autobiographischen Handlung beschäftigt. In Form einer Geschichte mit dem Titel „der reisende Idiot“ betreibe ich an mir Selbst-Kritik, beschimpfe mich als Narzisst. Der Fremde, der immer wieder nach einer neuen Erkenntnis Ausschau hält. Man möchte am besten etwas neues sehen, erlernen und seinen Horizont erweitern. Vielleicht steckt hinter dem Reisewunsch der Wunsch des Gläubigen, zu Gott zu kommen? Die Sehnsucht nach Einheit, dieses Verlan-gen nach Absolutem enthüllt die wesentliche Trieb-kraft des menschlichen Dramas.

Man ist selbst im Dilemma, denn das Reisen ist konkret. Man kann den Wunsch haben nach Indien zu reisen und dort anzukommen, zweifelt aber daran, dass es wirklich ein guter Wunsch ist. Man kann sich wünschen zu Gott zu kommen, weiß, dass es ein rich-tiger Wunsch ist, aber da kommt man nicht hin. Die Reise, die möglich ist, stellt man in Frage, die Reise, die unmöglich ist, ist die eigentlich entscheidende. Das wirkliche löst sich in das Unwirkliche auf.

Nach oben und nach unten beginnt die Geschichte des unendlichen Turmes gewissermaßen realer, fast wie Reisen, die man bewältigen kann. Es ist ein ständiger Strom an Menschen, weil sie aus Neugier kommen - bis niemand mehr auf der Erde wohnt. Irdische Reisen, leicht verfremdet, dann verfrem-det es sich immer mehr, weil man immer mehr von realen Reisemöglichkeiten wegkommt und sich in den irrealen Reisetraum hineinversetzt. Das Unmögliche wird durch die Phantasie ersetzt.

Die Reise befriedigt eigentlich nicht, weil man gren-zenlos ist in seinem Wunsch. Man ist angekommen und sagt nein, ich will wo anders sein! Dabei ist jedes Ankommen eine Enttäuschung, die einen dazu ver-leitet, nach der gewünschten Erkenntnis Ausschau zu halten. Das Denken des Menschen ist seine Sehnsucht und endet mit der Erkenntnisgrenze des Todes.

„Wann immer ich an einem Ort ankam, war ich schon mit meinem Gedanken an einem anderen Ort.“

 

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